Lotti Michel

Am 5. Dezember 2015 verstarb unsere langjährige Pilzfreundin Lotti Michel im Alter von 95 Jahren.
In diesem Jahr hätte sie ihr 50jähriges Pilzberaterjubiläum gehabt.
Wie vielen Pilzsuchenden hat sie an allen Wochentagen, zu allen Tageszeiten zu Hause mit ihrem Rat geholfen? Wie viele Pilzvergiftungen sind durch ihre Tätigkeit verhindert worden? An wie vielen Tagungen hat sie im Laufe ihres langen Lebens teilgenommen? Wir wissen es nicht genau, aber es waren sehr viele.
Begonnen hat die ehemalige Biologielehrerin ihre Tätigkeit 1966 in Erfurt. Nach der Wende brach das gut organisierte Pilzberatungssystem der ehemaligen DDR vorerst zusammen. Ihre Heimatstadt Pausa wechselte, genau wie Elsterberg, zum Freistaat Sachsen. Im Vogtlandkreis gab es ein funktionierendes Pilzberatungssystem.
Lotti zögerte nicht lange und wurde hier Mitglied.
Mit der Thüringer Arbeitsgemeinschaft für Mykologie verband sie bis zu ihrem Lebensende eine tiefe Verbundenheit. Dem neu gegründeten Verein trat sie 2001 bei. Trotz ihres hohen Alters war sie bei den Landesausstellungen der ThAM dabei, half beim Auf- und Abbau, führte Beratungen durch. Auf Lotti konnte man sich immer verlassen.
Ich lernte Lotti Michel bei meiner 1. Herbst Tagung bei Saalfeld kennen.
Die Prüfung zur Pilzberaterin hatte ich erfolgreich bestanden, war sehr stolz darauf und freute mich auf die Tagung. Fassungslos stand ich den über 500 verschiedenen Arten gegenüber. Mir wurde klar, dass ich eigentlich nichts wusste. Damals kam Lotti zu mir, klopfte mir auf die Schulter und sagte: „Na Kleine, lerne jedes Jahr 2 Arten und 2, die dir besonders gut gefallen. In 20 Jahren sieht das hier alles anders aus.“
Wie recht sie hatte kann ich nach über 30 Jahren Beratungstätigkeit bestätigen.
Lotti Michel hinterlässt eine große Lücke in unseren Reihen. Wir alle werden sie als starke Persönlichkeit und freundliche Kollegin in Erinnerung behalten.
Steffi Zaumseil
Pilzberaterin in Elsterberg/Vogtland

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